Das erste Faltboothebewerk der Welt

Der Faltbootsport hat in Deutschland nach dem Krieg (Anm. 1. Weltkrieg) eine Ausdehnung angenommen, wie sie wohl noch kein Sport in der ganzen Welt erlebt hat. Vor dem Krieg kannte man das Faltbootfahren bei uns überhaupt noch nicht. Während des Krieges gingen einzelne findige Köpfe daran, sich aus Latten und Segeltuch ein zerlegbares Boot zu bauen. Die Entwicklung vollzog sich in ganz ähnlichen Formen wie die des Segelfliegens. Schließlich begann man mit der fabrikmäßigen Herstellung von Faltbooten; Gestell und Verspannung bestanden zunächst aus schmalen Leisten und Stangen, Überzug aus gummierter Haut. Das Wasserwandern wurde im Handumdrehen zu einem besonders beliebten Volkssport. Erstens war es sehr billig, mit dem Zelt und dem Spirituskocher konnte man bei Selbstverpflegung fast umsonst durch die ganze Welt fahren, und zweitens war man aus einer solchen Wasserwanderung dauernd Wasser, Luft und Sonne ausgesetzt. Mehr noch als bei Fußwanderungen erlebte und genoss man vom Faltboot aus die Schönheiten der Landschaft und die wechselnden Stimmungen der Natur im Lause der Tageszeiten. Der Körper wurde gestählt und abgehärtet wie kaum bei einem anderen Sport.
Eine große Unbequemlichkeit bedeuteten bisher für jeden Faltbootfahrer die Stauwehre bei Mühlen, Wasserkraftanlagen und Flußschleusen. Kam man an ein solches Hindernis, dann musste man mit dem Boot an Land gehen, es ganz entleeren und aus dem Wasser herausnehmen. Das Auspacken dauerte oft lange, weil man ja auf einer großen Fahrt auch viel Gepäck bei sich hat, und dabei gingen oft wertvolle Dinge verloren. Mit voller Belastung konnte man das Boot natürlich nicht um das Wehr bis zum Unterwasser herumtragen, da es in der Mitte zu stark durchbog, manchmal sogar durchgebrochen ist. Die gleiche Arbeit gab es dann wieder beim Einsetzen und beim Verstauen des Gepäcks im Boot. War das Gelände ungünstig Einfahrt vom Oberwasser in den Trog des Faltboothebewerks und musste man das Boot womöglich eine halbe Stunde weit tragen, dann nahm der ganze Vorgang sogar Stunden in Anspruch, denn der Weg musste ja so und so oft zurückgelegt werden, bis man wieder alles beisammen hatte.
Darüber ging oft die schönste Zeit des Tages verloren. Hatte man zum Beispiel einen Flußlauf vor sich wie den untern Main, so war an ein Vorwärtskommen überhaupt nicht mehr zu denken, denn alle Stunden kommt da ein neues Stauwerk in Sicht.

 

 

Schematische Darstellung des Faltboothebewerks in Hausen am Main
Man fährt, wie es unsere letzte Abbildung erkennen lässt, vom Unterwasser aus zwischen die beiden Schutzgitter - denn der Trog selbst befindet sich jetzt unter dem Wasserspiegel - und hält sich zu beiden Seiten am Gitter fest. Der Trog hebt sich langsam und schöpft gewissermaßen das Faltboot aus dem Wasser heraus.

 

Bootfahrer mit Krawatte und Weste