Schweinfurter Tagblatt v. 26.03.2010 Verfasser Norbert Finster

LANDKREIS SCHWEINFURT
Main als Tummelplatz für Wasserwanderer

Schlummerndes touristisches Potenzial soll auch auf dem Flussabschnitt in Stadt und Landkreis geweckt werden

Für Wasserwanderer ist der Main ein so gut wie unbekanntes Gewässer. In kaum einem einschlägigen Führer taucht der fränkische Hauptfluss auf. Das soll sich nun ändern. Für Flusswanderer, Hausbootfahrer und Kanuten soll das schlummernde touristische Potenzial des Wasserwegs zum Leben erweckt werden.

Den „Startschuss für vertiefte Überlegungen“ gab Landrat Harald Leitherer am Mittwoch an Bord des Bereisungsschiffs „Spessart“, das das Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt für eine Inspektionsfahrt von Schonungen bis an die westliche Stadtgrenze Schweinfurts bereitstellte.

„Gut dass die Stadt diesmal mit im Boot ist, sonst wäre wieder alles nur Flickwerk.“ Harald Leitherer Landrat

 

 

 

 

 

 

 

Dabei waren fast alle der zehn Anlieger-Bürgermeister des 25 Kilometer langen Flussabschnitts zwischen Obereuerheim und Garstadt. Sieben Kilometer davon befinden sich auf Schweinfurter Stadtgebiet. Landrat Harald Leitherer leicht süffisant: „Gut, dass die Stadt diesmal mit im Boot ist, sonst wäre wieder alles nur Flickwerk.“

Im Rahmen der Förderung nach LEADER+ soll für die Mainaue im Landkreis Schweinfurt ein Rahmenkonzept für den Tourismus auf dem Wasser entstehen. Ein solches gibt es schon für den Landkreis Kitzingen. In diesem Konzept sind bereits die Voraussetzungen für den Mainabschnitt von Stammheim und Wipfeld enthalten, der zum Landkreis Schweinfurt gehört. Wichtig: Touristische Bedürfnisse sollen unbedingt mit den Ansprüchen des Natur- und Landschaftsschutzes zu vereinbaren sein (siehe Grafik).

Landschaftsarchitekt Thomas Wirth vom Planungsbüro arc.grün in Kitzingen stellte das Mainauen-Konzept vor. Grundsätzlich habe der überplante Flussabschnitt kaum noch natürliche Zonen, sondern sei vom Menschen komplett verändert. Dagegen weise der Main eine gute Wasserqualität auf, die sogar wieder zum Baden einlade.

Natürlich müsse sich ein Konzept für Wassertouristen und -sportler über den Landkreis hinaus auf den gesamten Fluss beziehen. „Es geht nicht, dem Kanufahrer etwas anzubieten, das nach drei Kilometern wieder aufhört.“ Auf dem nicht schiffbaren Obermain habe sich der Wassertourismus schon mit großem Erfolg etabliert.

Wirth schlug auch für den Main das bereits bewährte Informationssystem „gelbe Welle“ vor. Dort werde dem Besucher kurz und bündig erklärt, wo er sich befindet und welche Möglichkeiten er an seiner Anlegestelle vorfindet.

In der Liste dieser Möglichkeiten unbedingt enthalten sein müssten Zelt- und Biwakplätze für die Übernachtung. Bootsanlegestellen seien durch die Abflachung von Böschungen leicht zu erreichen.

Die attraktivsten Abschnitte des Mains im Landkreis liegen für den Planer bei Hirschfeld und Garstadt sowie im Bereich Schonungen-Mainberg. Unterhalb von Schloss Mainberg müsste unbedingt eine Ausstiegsstelle sein. Aber auch die Stadt Schweinfurt biete vom Wasser her völlig andere, vielleicht sogar schönere Perspektiven als an Land.

„Die Infrastruktur für den Wassertourismus kostet sehr wenig, für die meisten Einrichtungen wahrscheinlich unter 1000 Euro“, so Wirth zum finanziellen Aufwand. Der Landkreis Schweinfurt sei ein relativ einfacher Abschnitt für die Erschließung.

Dass sich Wassertouristen und die Binnenschifffahrt, die zum Teil mit riesigen Frachtschiffen auf dem Main unterwegs ist, in die Quere kommen, glaubt Landrat Leitherer nicht. Für beide Seiten geben es Regeln und wenn die eingehalten werden, werde es auch ein vernünftiges Nebeneinander geben.

Sportboote oder Wasserfahrzeuge, die der Erholung dienen, dürfen auf der Bundeswasserstraße Main fahren, wenn sie nur mit Muskelkraft oder mit Hilfe eines Segels bewegt werden können. Segelboote dürfen allerdings nicht länger als 5,50 Meter sein.
Wassertourismus

Projektträger: Für das Nutzungs- und Entwicklungskonzept für eine nachhaltige touristische Nutzung der Mainauen im Schweinfurter Land ist der Landkreis Schweinfurt in Zusammenarbeit mit dem Regionalmanagement der Träger. Gefördert wird es mit Mitteln der EU Union aus dem Programm LEADER + und des Freistaates.

Kosten: Von den 19 300 Euro für das Konzept bekam der Landkreis 8100 Euro Zuschuss. Das sind 50 Prozent der förderfähigen Kosten.

Gesamtkontext: Das Projekt steht in einem größerem Gesamtkontext „Lebensader Main“, der die Landkreise Bamberg, Haßberge, Schweinfurt, Kitzingen und Miltenberg einschließt. Am schnellsten ist der Landkreis Kitzingen auf den Zug aufgesprungen, der bereits 2010 Infrastrukturmaßnahmen für das Wasserwandern umsetzen will. In den anderen Landkreisen soll das Projekt im Jahr 2011 realisiert sein.